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Mittwoch, 27. August 2014

„Kurz bevor dem morgen graut“ von Andreas Kimmelman

http://www.amazon.de/Kurz-bevor-dem-Morgen-graut-ebook/dp/B00C59005E/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1409152079&sr=8-1&keywords=andreas+kimmelmann


Ich bin immer auf der Suche nach guten Kurzgeschichten aus dem Horrorgenre und die sind nicht so leicht zu finden. Zumindest solche, die meinem Geschmack entsprechen. Als ich die Geschichtensammlung „Kurz bevor dem Morgen graut“ auf mein Tablet geladen hatte und mit dem Lesen anfing, war mir schnell klar, hier einen richtigen Treffer gelandet zu haben. Abwechslungsreiche Geschichten, die sich nicht in Beschreibungen von Eingeweiden und Folter suhlen, sondern auf Spannung und Grusel setzen. Und dabei noch wirklich gut geschrieben sind. Kein Wunder also, dass ich in kurzer Zeit alle der 11 Geschichten durch hatte.
Lenas Nachtgesang – Ein junges Mädchen ist ganz alleine als Tramperin unterwegs. Perfektes Setting für einen Horrorfilm oder wie in diesem Fall für  eine überraschende Kurzgeschichte.  Zuerst wird es abgründig, dann mysteriös. 

Die weisse Fee des Todes – Hier hat mich der Autor wirklich gekriegt. Ein kleiner Junge ist auf der Flucht, nachdem er ansehen musste, wie seine Elter ermordet wurden. Sehr spannend und das Ende hat mich beeindruckt.

Kiandra – Dies ist eine Geschichte, die in der Ich Form erzählt wird. Ein todgeweihter Mann schreibt einen Kommissar und will ihm die Wahrheit über eine verhängnisvolle Nacht mitteilen. Diese Wahrheit ist sehr mysteriös und verstrickt.

Dieselben Augen – Erzählt wird hier eine Geschichte über Schuld und Sühne. Tom Bogenhart ist ein Spieler und Lebemann, dem sein persönliches Vergnügen am wichtigsten ist. Er bekommt die Gelegenheit, über sein Leben und die Konsequenzen dessen nachzudenken.

Vatertag – Harter Stoff, der auch von Jack Ketchum hätte sein können. Wir bekommen Einblick in das Leben einer Frau, die nach dem Tod des Mannes überfordert ist. Diese Überforderung  bekommt der Sohn zu spüren. Sehr, sehr gut geschrieben und mutig, dieses Thema zu verarbeiten.

War das was? – Eine nette, kleine Gruselgeschichte die Spaß macht. Ein paar Freunde wandern durch den Wald, es wird dunkel und irgendetwas scheint sie zu verfolgen. Ganz klassischer Grusel. Nett aber für mich die schwächste Geschichte der Sammlung. 

Malkowskis Rückkehr – Sehr clevere Krimigeschichte mit starkem Mysterietouch. Die Hauptfigur könnte auch locker der Titelheld einer Serie sein. Walter Malkowski spielt Anwalt der Toden – im wahrsten Sinne, den Geister suchen ihn Heim.

Nur raus – Eine schöne Geschichte, in der sich ein Mann auf eine Schlafexperiment einlässt. In der Traumwelt ist alles möglich und Zeit und Raum spielen keine große Rolle.

In diesem Sommer wird alles anders – Eine Geschichte ohne übernatürlich Elemente und genau deshalb hat sie mir auch gefallen. Eine Frau leidet unter ihrem permanent untreuen Ehemann. Selbst im gemeinsamen Urlaub kann er es nicht lassen. Man(n) sollte die Rache eine Frau aber fürchten. Böse, böse diese Geschichte!

Verstörende Beklemmung – Und zum Schluss gibt es wieder harten Stoff. Erzählt wird eine Geschichte aus den 1980er Jahren in einer kleinen, ländlichen Gegend. In dieser ist Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung. Besonders Frauen und Kinder haben hier zu leiden. Sehr gut ein eindringlich geschrieben.

Am besten haben mir in dieser Sammlung „Die weisse Fee des Todes“, „Vatertag“ und „Verstörende Beklemmung“ gefallen. Aber auch die anderen Geschichten wussten zu unterhalten. Kimmelmann hat genau meinen Geschmack getroffen und vermischt gekonnt harten psychologischen Horror mit übernatürlichen Elementen. Ich kann dieses Buch wirklich jedem Horrorfan nur wärmstens empfehlen.